Schluss


Ich gehöre zu der Kategorie von Lesern, die gern in dem Augenblick Redaktionsschluss machen, wenn in praxisorientierten Büchern der Übungsteil beginnt. Bestenfalls suche ich mir einige wenige heraus, von denen ich mir Wirkungen verspreche, die den Aufwand lohnen. Nicht selten entwickeln Autoren Übungsprogramme, die den Leser zwängen, seinen Beruf an den Nagel zu hängen, für den Fall, dass er sie vollständig umsetzen wollte.

Als ich die Gewahrseinsübungen zusammenstellte, habe ich deshalb an mich selbst gedacht und stets darauf geachtet, den Aufwand zu minimieren und die Wirkungen zu maximieren. Die von mir entwickelten Gewahrseinsübungen nehmen nur in der Anfangsphase zusätzliche Zeit in Anspruch. Danach geht es nur noch darum, im Alltag dessen gewahr zu werden, was geschieht, also um Zeitqualität. Aus diesem Grunde empfehle ich Ihnen, mit den Übungen erst dann zu beginnen, wenn Sie mindestens eine Stunde pro Woche dafür aufbringen können. Fehlt Ihnen momentan der Antrieb dazu, dann kann ich Ihnen eine minimalistische Empfehlung mit auf den Weg geben, für die Sie keine einzige zusätzliche Sekunde Ihres Lebens aufwenden müssen: Machen Sie vor dem Einschlafen und nach dem Aufwachen jeweils drei bewusste, entspannte und tiefe Atemzüge. Sie werden sich wundern, wie dieses kleine Ritual Ihr Leben verändert.

Um das Übungsprogramm erfolgreich zu absolvieren, sollten vor allem am Anfang günstige Rahmenbedingungen vorliegen. Dazu gehört auch, dass Sie sich nicht mitten in einer schweren Krise befinden. Zwar ist dann das Bedürfnis nach schnellen Lösungen besonders groß und meist auch die Bereitschaft, etwas dafür zu tun. Doch in einer akuten Krise tun Sie besser daran, alles Ihnen bis dato zur Verfügung stehende Gewahrsein in die Waagschale zu werfen, bis Sie den Gipfel der Krise hinter sich gelassen haben. Wenn Sie danach mit der Erhöhung Ihres Gewahrseins beginnen, betreiben Sie nicht nur Krisenprophylaxe, sondern sind auch für eventuelle weitere Krisen besser ausgerüstet.

Diese Vorgehensweise empfiehlt sich auch deshalb, weil Sie eine freiwillige Krise auslösen, sobald Sie Ihr Übungsprogramm starten. Dann beginnt nämlich sofort ein Prozess, bei dem sich kontinuierlich Licht auf die Interaktionen in Ihrem Gesamtsystem ausbreitet, die bis dahin ein Schattendasein geführt haben. Das gilt sowohl für Negativitäten jeder Art, die Sie bisher verdrängt haben, als auch für bis dahin unterbelichtetes kreatives Potenzial, das verstärkt nach Verwirklichung drängt, sobald es angestrahlt wird. Zwar setzt dieser Prozess mittel- und langfristig zusätzliche Energien frei, doch kann es durchaus sein, dass Sie am Anfang Ihr vorhandenes Energiepotenzial anzapfen müssen, um erfolgreich starten zu können. Deshalb sollten Sie den Start verschieben, wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihr Energietank leer ist.

 Transparenter Schatten

Im Lichte des Gewahrseins
bleibt unser Schatten transparent.

Leichter gesagt als getan, höre ich des öfteren von Klienten, die sich in einer energetischen Dauerkrise befinden, wenn sie mich aufsuchen. In solchen Fällen praktiziere ich Energiearbeit auf physiologischer, mentaler und emotionaler Ebene bevor ich mit Gewahrseinsübungen beginne. Wenn Sie ein guter Autodidakt sind, viel Geduld haben und bereit sind, ein Maximum an Eigenarbeit aufzubringen, können Sie das Übungsprogramm weitgehend in Eigenregie absolvieren. Ich selbst bin so vorgegangen, habe aber am Anfang gezielt professionelle Angebote in Anspruch genommen, die geeignet waren, mein Energielevel zu erhöhen und den Prozess der Bewusstseinserweiterung zu beschleunigen. Das ändert nichts daran, dass bei der Erhöhung des eigenen Gewahrseins niemand einem die Hauptarbeit abnehmen kann.

Ich werde gelegentlich gefragt, ob es ein Wundermittel gibt, um diesen Prozess zu erleichtern und zu beschleunigen. Dann antworte ich mit einem guten Gefühl: Nein, es gibt nicht ein Wundermittel, sondern zwei! Das eine ist Geduld, denn: Geduld ist das Vertrauen, dass alles kommt, wenn die Zeit dafür reif ist. Und das zweite Mittel bedeutet:  konsequente Vereinfachung des eigenen Lebens. Stellen Sie alles auf den Prüfstand, was Ihre Lebensenergie momentan bindet, und trennen sie sich von allem, was Sie nicht unbedingt brauchen.

Wenn Sie den Mut aufbringen, den überflüssigen Ballast zu verbrennen, den Sie derzeit mit sich herumschleppen, werden Sie mit Hilfe der Gewahrseinsübungen wie Phönix aus der Asche neu zum Leben erwachen. Nichts hindert uns so sehr daran, in Fluss zu kommen und zu bleiben, wie das Überflüssige. Das erfüllte Leben, das Sie sich wünschen, braucht Leere, um sich entfalten zu können.

Wenn Sie zum Beispiel Ihre Gedanken beobachten, werden Sie feststellen, dass die meisten um Dinge kreisen, die Sie gar nicht oder nur bedingt brauchen, und das diese Gedanken Sie daran hindern, das zu bekommen, was Ihnen unbedingt gut täte. Sie werden entdecken, wie viel Altlasten und sekündlich neu produzierten Müll Sie mit sich herumschleppen. Sobald Sie diesen überflüssigen Ballast einfach nur regelmäßig bewusst beobachten, werden Sie registrieren, dass er sich allein dadurch bereits verringert. Und wenn Sie spüren, wie das hartnäckige Gedankenmaterial, das täglich in Ihrem Kopf seine Show abzieht, sie körperlich, geistig und seelisch belastet, werden Sie aus der Beobachtung selbst die Entschlusskraft beziehen, sich Schritt für Schritt davon zu trennen.

Ähnlich wie bei einem Computer, dessen Festplatte fast voll ist, werden Sie überflüssige Dateien und Programme aus Ihrem Kopf entfernen und ihn einer Defragmentierungs-Kur unterziehen. Dateien und Programme, die Sie nur selten benötigen, werden Sie nicht auf Ihrer "Festplatte" installieren, sondern sie durch Links ersetzen, die es Ihnen ermöglichen, jederzeit bei bedarf darauf zurückgreifen zu können. Ohne Funktionsverlust können Sie Ihren Arbeitsspeicher nun für die Aufgaben verwenden, für die er eigentlich gedacht ist. Sie können ihre Energie auf das konzentrieren, was der jeweilige Augenblick erfordert. Statt durch einen vollen Kopf blockiert zu sein, sind Sie voll präsent im Hier und Jetzt, die Voraussetzung dafür, um entspannt, konzentriert und gelassen zu sein.

Ein buddhistischer Mönch hat auf den Punkt gebracht, warum Einfachheit gerade in der heutigen Zeit so wichtig ist:

"Wir müssen lernen, uns nicht mit unwesentlichen Aktivitäten und Beschäftigungen zu überfordern, sondern unser Leben mehr und mehr zu vereinfachen. Der Schlüssel zu einer glücklichen Ausgewogenheit im modernen Leben ist Einfachheit."
Sogyal Rinpoche, Das tibetische Buch vom Leben und vom Sterben, Scherz Verlag, Bern, München, Wien, 1999, S. 41

Ich wünsche Ihnen ein Gewahrsein, dessen natürliche Begleiterscheinungen eine glückliche Ausgewogenheit und eine heitere Gelassenheit sind.

>> Links